Kunstprojekt „Beten mit Farbe“
Im Juli 2024 besuchte der Künstler Uwe Appold nach über 60 Jahren den Flecken Salzhemmendorf im Saaletal, südwestlich von Hildesheim anlässlich eines Familientreffens.
Aus Freude über das Familientreffen entschloss er sich spontan, der Stiftung der sieben Gemeinden der Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Saaletal einen Bilderzyklus zu schenken. Darin lag auch Dankbarkeit darüber, dass er immer noch künstlerisch aktiv und erfolgreich sein kann.
Bei der Schenkung handelt es sich um den zwanzigteiligen Bilderzyklus „Selbstbefragung“. Alle Bilder haben das Maß von 60 x 55 cm, entstanden sind sie 2010. Gemalt sind sie mit Acryl-Farbe auf Leinwand.
Der Akt der Selbstbefragung ist eine äußerst nachdrückliche Prozedur der Standortbestimmung seiner selbst. Sie fordert Nähe, die Schichten des bisherigen Lebensweges mit allen Höhen und Tiefen zu beinhalten mag. Bewusstes und Vergessenes tauchen auf, Erinnerungen an den kargen Grenzen von Üblichkeiten mischen sich ungefragt ein in den inneren Dialog, der von Zweifel, Gewissheit, Trauer, Zorn, Wut, aber auch Freude handelt. Es gibt dabei keine Antworten auf ungestellte Fragen, schrittweise eröffnet der Prozess Variationen der Eigensicht durch geduldiges Hinterfragen, das keinerlei Kompromisse zurücklässt.
Der sich selbst Fragende hat eine Distanz zu sich selbst zu schaffen, aus der heraus sein Blick auf das Wesentliche geschärft wird. Die Selbstbefragung richtet den Blick nach innen mit der Frage: Wer bin ich? Bei dem griechischen Philosophen Aristoteles war der Blick nach innen ein zentrales Anliegen seines Denkens. Er forderte auf, die beste Ausgabe seines Selbst zu sein. In Psalmen und in Paulusbriefen wird die Selbstbefragung auch als Gewissenserkundung verstanden, die zur Selbstwahrnehmung führt und Voraussetzung sein muss für die Selbstbestimmung.
Dadurch bleiben die Bilder immer aktuell. Die Bilderreihe spiegelt zwanzig mögliche Blickwinkel, die sich in inneren Dialogen entwickeln und unter Einbeziehung persönlicher Lebenserfahrungen wandeln können.
Die Bilder haben einen Platz in unseren Kirchen gefunden. So ist der „Uwe-Appold-Pfad im Saaletal – Beten mit Farbe“ entstanden und verbindet unsere Gemeinden untereinander.
Unser ausdrücklicher Dank für diese großzügige Spende gilt dem Künstler.
Ebenso danken wir der Hanns-Lilje-Stiftung, die das Projekt maßgeblich im Rahmen der Kulturkirchenarbeit fördert.
Im Zusammenhang mit dem Projekt sind für die nächsten Jahre Veranstaltungen geplant, die sich an Kinder, Jugendliche und Seniorinnen und Senioren wenden.
Die Schenkung wird an Laetare am 30. März 2025 um 11 Uhr in St. Margarethen in Salzhemmendorf übergeben.
Wir freuen uns sehr, dass unsere Regionalbischöfin Dr. Adelheid Ruck-Schröder die Schirmherrschaft für das Projekt übernimmt.
Zu Ostern werden die sieben Kirchen von 10 bis 18 Uhr verlässlich geöffnet sein, so dass die Bilder auch außerhalb der Gottesdienste zugänglich sind.
Es erscheint ein Begleitbuch, in dem zwanzig Autorinnen und Autoren ihre Gedanken zu je einem der Bilder aufgeschrieben haben.